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Mauerpark
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Der Mauerpark ist eine Parkanlage in Berlin-Prenzlauer Berg. Von BĂŒrgerinitiativen 1990 erstmals bepflanzt, 1994 nach PlĂ€nen von Gustav Lange eröffnet und bis 2020 mehrfach erweitert, folgt der Park dem Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer entlang der Schwedter Straße. Als populĂ€res Naherholungsgebiet zĂ€hlt der Mauerpark mit seinem Flohmarkt und den zahlreichen Straßenmusikern zu den beliebtesten SehenswĂŒrdigkeiten Berlins.cite-ref-1[1] Bau und Erweiterung des Parks waren ĂŒber Jahrzehnte hinweg ein komplexes politisches Konfliktfeld verschiedener BĂŒrger- und Verwertungsinteressen.

Contents

‱ Lage
‱ Bauwerke
‱ Flora
‱ Wall of Fame
‱ Flohmarkt
‱ Radfernwege
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Lage

Der langgezogene Park liegt gut zwei Kilometer nördlich des Roten Rathauses im Gleimviertel (Ortsteil Prenzlauer Berg, Bezirk Pankow). Seine Westseite markiert die Grenze zum Brunnenviertel (Ortsteil Gesundbrunnen, Bezirk Mitte). Im Norden verlĂ€uft die Ringbahn, im Osten grenzt der Park im oberen Teil an die Schwedter Straße, im unteren an den Falkplatz und den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Im SĂŒden liegen Bernauer Straße und Eberswalder Straße. Auf einer FlĂ€che von gut 14,3 Hektar erstreckt sich der Park ĂŒber knapp einen Kilometer LĂ€nge in Nord-SĂŒd-Richtung. Im sĂŒdlichen Teil ist er gut 200 m, im kleineren, nördlichen Teil, 50 m breit.cite-ref-2[2]

Der Mauerpark ist Teil des GrĂŒnen Bandes Berlin und grenzt im Norden an das Landschaftsschutzgebiet Nr. 52 Ehemaliger Mauerstreifen, Schönholzer Heide und BĂŒrgerpark.cite-ref-3[3]

Topographie

Der Park folgt in seiner gesamten LĂ€ge den ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen der Berliner Mauer entlang der nördlichen Schwedter Straße. Sein GelĂ€nde ist weitgehend flach, einzig auf der SĂŒdostseite gibt es eine etwa 350 m lange und bis zu elf Meter hohe, dem Park zugewandte Böschung.cite-ref-4[4] Diese gehört zum Bauwerk des angrenzenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions.

Der Park wird vom Gleimtunnel in einen kleinen Nord- und einen großen SĂŒdteil getrennt. Zentral im SĂŒdteil liegt eine etwa 400 m × 50 m große RasenflĂ€che. Diese ist umgeben von einem in die Böschung gebauten Amphitheater, einem AuslaufgelĂ€nde fĂŒr Hunde, einer teilasphaltierten FlĂ€che fĂŒr einen sonntĂ€glichen Flohmarkt sowie zwei KinderspielplĂ€tzen und weiteren Liegewiesen. Daran angrenzend liegt ein Gemeinschaftsgarten sowie ein BirkenwĂ€ldchen. Im Nordteil des Parks befinden sich eine Kletterwand, ein Spielplatz, ein Senkgarten, sowie die Jugendfarm Moritzhof.

Über fast die gesamte LĂ€nge des SĂŒdteils erstrecken sich vier parallel laufende Wege: Die mit Großstein gepflasterte und fĂŒr den Kraftverkehr gesperrte Schwedter Straße sowie drei weitere asphaltierte Fuß- und Radwege. Die einzige Überquerung in Ost-West-Richtung besteht zwischen dem Falkplatz und dem Parkeingang an der Lortzingstraße.

Bauwerke

Überreste der Berliner Mauer sind nur wenige erhalten: Oben auf der Stadionböschung steht ein 300 m langes StĂŒck der Hinterlandsicherungsmauer, unten am Parkeingang Bernauer Straße ist in einem archĂ€ologischen Fenster das Fundament einer Fahrzeugsperre freigelegt und in der Pflasterung der Schwedter Straße sind entlang der Westseite zahlreiche Fundamente von Pfeilern einer alten Grenzsicherungsanlage markiert.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] An der Eberswalder Straße steht auf dem GelĂ€nde des Hundeauslaufs ein einzelner, großer Lichtmast der ehemaligen Grenzanlage.cite-ref-7[7]

Am Parkeingang Bernauer Straße befinden sich einige grĂ¶ĂŸere HĂŒtten mit Gastronomiebetrieb, in die Böschung ist ein aus rohen Granitblöcken gebautes Amphitheater integriert, und dem gegenĂŒber steht auf der Westseite des Parks die Kartoffelhalle, eine Metalllagerbaracke, die zu einem Kulturzentrum ausgebaut werden soll.

Das grĂ¶ĂŸte GebĂ€ude auf dem GelĂ€nde des Mauerparks ist die Jugendfarm Moritzhof, ein 1999 nach ökologischen Vorgaben errichtetes, zweigeschossiges Holzhaus mit angeschlossenen Stallungen. Am Parkeingang Lortzingstraße steht ein mit Granitblöcken eingefasstes Rondell mit einem großen Steintisch im Zentrum. Die roh behauenen hellen Blöcke aus Striegauer Granit sind zentrales und charakteristisches Element von Gustav Langes Parkgestaltung. Sie dienen zugleich als Begrenzungssteine und Sitzgelegenheiten.

Flora

Zu den Ă€ltesten Pflanzen im Park gehören einige Spitzahorn- und FeldahornbĂ€ume (Acer platanoides, Acer campestre) von 1971 bis 1980 auf dem GelĂ€nde der HundeauslaufflĂ€che. Von der Baumpflanzaktion der GrĂŒnen Liga 1990 sind einige Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) und Birken-Pappeln (Populus simonii) zwischen Mauerpark und Falkplatz erhalten.cite-ref-8[8]

Der Großteil des Bestandes wurde ab 1994/95 gepflanzt. Aus dieser Zeit – und mittlerweile prĂ€gend fĂŒr den Park – stammen die zahlreichen, bis zu 35 m hohen italienischen Pyramidenpappeln (Populus nigra italica), die sowohl unten als auch oben an der von Wiesensalbei (Salvia pratensis) ĂŒbersĂ€ten Stadionböschung gesetzt wurden. Am sĂŒdlichen Parkeingang entlang der Schwedter Straße sowie auf der Böschung stehen mehrere Dutzend weißblĂŒhende ZierapfelbĂ€ume (Malus spec.). Im weiteren Verlauf durchquert die Schwedter Straße eine Gruppe Eschen (Fraxinus), verlĂ€uft entlang zahlreicher Wacholderhecken zum Amphitheater, flankiert von einigen Pyramiden-Eichen (Quercus robur 'Fastigiata'), und mĂŒndet am Boule-Spielplatz in eine Gruppe Japanischer SchnurbĂ€ume (Sophora japonica). Zwischen Schwedter Straße und Falkplatz hat sich am nördlichen Ende unter einer Gruppe von WeidenbĂ€umen ein kleiner Röhricht aus Schilfgras gebildet. Westlich davon befindet sich das BirkenwĂ€ldchen, bestehend aus mehr als 250 Sand-Birken (Betula pendula).

Um das Jahr 2000 wurde die heutige Allee Linie der ungleichen Dinge bepflanzt. Dort finden sich Schwedische Mehlbeeren (Sorbus intermedia), zahlreiche Robinien (Robinie pseudoacaria), Rosskastanien (Aesculus hippocastanum), BirnbÀume und mehrere Vogelkirschen (Prunus avium), die am Rondell an der Lortzingquerung von einer Gruppe Waldkiefern (Pinus sylvestris) ergÀnzt werden. Um die sogenannte Kartoffelhalle wurde eine Allee AhornblÀttriger Platanen (Platanus x hispanica) gepflanzt, ferner Zerr-Eichen und Scharlach-Eichen (Quercus zerriss, Quercus coccinea) sowie Purpur-Erlen (Alnus spaethii).cite-ref-9[9]

Nördlich des Gleimtunnels wĂ€chst eine Gruppe Kultur-Birnen (Pyrus communis), der daran anschließende Senkgarten ist von einer großen Hecke von Rotbuchen eingefasst, und vis-Ă -vis dem Moritzhof steht eine Gruppe rosablĂŒhender Sauerkirschen (Prunus cerasus). Um den Spielplatz am nördlichen Ende des Parks wachsen einige große Silber-Weiden (Salix alba) sowie mehrere Zierkirschen (Prunus speciosus). Nach Bauarbeiten am Parkeingang an der Bernauer Straße wurde 2020/2021 eine Gruppe von mehr als 30 Zitter-Pappeln (Populus tremula) neu angepflanzt. Die Mehrzahl der BĂ€ume im Mauerpark galten 2019 als „geschĂ€digt“ bis „stark geschĂ€digt“.cite-ref-10[10]

Geschichte vor 1990

18. Jahrhundert: Landwirtschaftliche Nutzung

Das Gebiet des heutigen Mauerparks lag im 18. Jahrhundert vor den Toren der Stadt und war Teil der nördlichen Feldmark, die in die Berliner Hufen eingeteilt war, der traditionellen Flur der stĂ€dtischen AckerbĂŒrger.cite-ref-haeder-wuest-60-11-0[11] 1780 wurde das Gebiet zwischen heutiger Schönhauser Allee und Schwedter Straße auf königlichen Erlass in den Acker Tractus des Vorwerks Niederschönhausen eingegliedert.cite-ref-haeder-wuest-60-11-1[11] Als das Vorwerk nach 1820 vor dem Konkurs stand, wurden die Berliner Hufen separiert und verĂ€ußert. Der Prenzlauer Unternehmer Wilhelm Griebenow kaufte das GelĂ€nde 1823 in der Absicht, es zu parzellieren und gewinnbringend wieder zu verĂ€ußern.cite-ref-12[12] Noch bis 1862 hieß die Schwedter Straße Verlorener Wegcite-ref-13[13], als Weg, der sich zwischen landwirtschaftlichen FlĂ€chen „im Nichts verliert“.cite-ref-14[14]

Ab 1825 preußischer Exerzierplatz

1825 verkaufte Griebenow eine Parzelle fĂŒr 10.000 Taler an den preußischen MilitĂ€rfiskus, der dort fĂŒr das Kaiser-Alexander-Regiment einen Exerzierplatz anlegte, der bis ins frĂŒhe 20. Jahrhundert genutzt wurde.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16] Im Volksmund wurde dieser „Exerzierplatz zur einsamen Pappel“ genannt. Namensgebend war eine Pappel, die als SolitĂ€r an der heutigen Topsstraße stand.cite-ref-17[17] 1829 wurde das GelĂ€nde als Teil der damaligen Rosenthaler Vorstadt nach Berlin eingemeindet.

Bekannt wurde der Exerzierplatz als Ort einer großen Arbeiterdemonstration wĂ€hrend der MĂ€rzunruhen 1848. Rund 20.000 Teilnehmer protestierten gegen den preußischen König und forderten kĂŒrzere Arbeitszeiten, höhere Löhne sowie die EinfĂŒhrung einer allgemeinen Schulpflicht.cite-ref-18[18]

BahnhofsgelĂ€nde, 1877–1985

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Hauptartikel

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Bahnhof Berlin Eberswalder Straße

Westlich des Exerzierplatzes entstand ab 1871 der Endbahnhof der Berliner Nordbahn (Berlin – Stralsund), damals genannt Nordbahnhof. Als Kopfbahnhof erstreckte er sich von der Bernauer Straße bis zur Ringbahn. Sein GelĂ€nde wurde mittels Bauschutt eingeebnet und liegt seitdem zwischen ein und vier Meter höher als die umliegenden Straßen.cite-ref-19[19] Begonnen von einer privaten Gesellschaft, gelangte der Bahnhof noch wĂ€hrend der Bauarbeiten in staatliche Hand und wurde am 1. Oktober 1877 als GĂŒterbahnhof eröffnet. Der Personenverkehr wurde ĂŒber den nahen Stettiner Bahnhof (den heutigen Nordbahnhof) abgewickelt. Nur zwischen 1892 und 1898 war auch an der Bernauer Straße ein kleiner Personenbahnhof in Betrieb, der den Stettiner Bahnhof entlasten sollte. Als Provisorium war er ebenso schmucklos und funktionell angelegt wie die gesamte Anlage des GĂŒterbahnhofs.cite-ref-20[20]

1950 wurde der Bahnhof umbenannt in Berlin Eberswalder Straße. Als GĂŒterumschlagplatz wurde er noch bis in die 1970er Jahre genutzt, 1985 wurde er von der Deutschen Reichsbahn stillgelegt.cite-ref-21[21] Heute liegt der Großteil des Mauerparks auf dem GelĂ€nde des alten Bahnhofs.

SpÀtes 19. Jahrhundert: der Exerzierplatz wird zum Sportplatz

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Exerzierplatzlatz zunehmend von Schulen und Vereinen fĂŒr LeibesĂŒbungen genutzt, da es im dicht bevölkerten Bezirk an geeigneten FreiflĂ€chen fehlte.cite-ref-22[22] Mit wachsender PopularitĂ€t des Fußballspiels fand am 18. April 1892 hier ein Spiel zwischen der Dresdener und der Berliner Stadtauswahl statt, bei dem die Berliner 0:3 unterlagen. Im Juli 1892 wurde der Fußballclub Hertha BSC gegrĂŒndet, der den Exerzierplatz Einsame Pappel viele Jahre als SpielstĂ€tte nutzte.cite-ref-23[23]

Um 1900 war die Gegend um den Exerzierplatz dicht bebaut und die meist proletarischen Anwohner nutzten den Platz ausgiebig. Immer hĂ€ufiger kam es zu Klagen gegenĂŒber dem PolizeiprĂ€sidium ĂŒber untragbare ZustĂ€nde auf dem GelĂ€nde, zu dem jeder Zutritt hatte. Das MilitĂ€r stimmte zu, den Platz mit einer Mauer einzufrieden, jedoch wollte die Stadt die Kosten fĂŒr den Bau nicht ĂŒbernehmen. Als die Klagen nicht endeten, erklĂ€rte sich das Kriegsministerium 1910 bereit, einen Teil des Exerzierplatzes zu verĂ€ußern. Nach der Zustimmung der Stadtverordneten im Juni 1911 kaufte der Berliner Magistrat den östlichen Teil des Exerzierplatz 1912 fĂŒr 6,5 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger WĂ€hrung rund 41,9 Millionen Euro). Der stĂ€dtische Gartendirektor Albert Brodersen erhielt den Auftrag zum Bau eines neuen Spiel- und Sportplatzes an der Cantianstraße.cite-ref-24[24] Auf der gegenĂŒberliegenden Seite sĂŒdlich des Falkplatzes stand nach dem Ersten Weltkrieg eine Kleingartenanlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die FlĂ€che des heutigen Stadions als TrĂŒmmerhalde genutzt.

1921 ließ das Berliner Medizinalamt im SĂŒdteil des Exerzierplatzes an der Eberswalder Straße eine Freiluftschule fĂŒr tuberkulöse Kinder einrichten. Unter Mitwirkung der chirurgischen UniversitĂ€tsklinik unter August Bier wurden mehrere Baracken mit Untersuchungszimmern und Bestrahlungsapparaten ausgestattet. Der sĂŒdliche Teil des Exerzierplatzes wies damals eine zusammenhĂ€ngende Grasnarbe auf.cite-ref-25[25] Die Freiluftschule befand sich am Ort der heutigen Auslaufwiese fĂŒr Hunde und der Wendeschleife der Straßenbahn.

Bau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks 1951

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Hauptartikel

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Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Ab FrĂŒhling 1951 wurde anlĂ€sslich der III. Weltjugendfestspiele in nur wenigen Monaten der neue Berliner Sportpark samt Stadion Einsame Pappel nach den PlĂ€nen des Architekten Rudolf Ortner errichtet. Der Stadionbau war ein VorlĂ€ufer des Nationalen Aufbauwerks der DDR. Sogenannte Aufbaubrigaden der Freien Deutschen Jugend und freiwillige ArbeitskrĂ€fte fĂŒhrten an Aufbausonntagen umfangreiche AufrĂ€umarbeiten durch, die auch die Beseitigung von KriegstrĂŒmmern beinhalteten. An der Westseite des Stadions zur Schwedter Straße entstand eine aus KriegstrĂŒmmern aufgeschĂŒttete etwa elf Meter hohe Böschung, die heute eines der charakteristischen Merkmale des Mauerparks ist.

AnlĂ€sslich des 100. Todestags von Friedrich Ludwig Jahn erhielt der Sportpark 1952 den Namen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Zur Berliner 750-Jahr-Feier ließ der Magistrat von Berlin das Stadion 1986–1987 sanieren und die den Mauerpark heute dominierenden markanten Flutlichtmasten installieren.cite-ref-26[26]

Die Mauerzeit 1961–1989

Die zwischen Stadion und BahnhofsgelĂ€nde verlaufende Schwedter Straße war seit der GrĂŒndung von Groß-Berlin 1920 die Bezirksgrenze zwischen Prenzlauer Berg und Wedding. Nach der Deutschen Teilung 1949 wurde sie zur Sektoren- und deutsch-deutschen Staatsgrenze. Das StadiongelĂ€nde gehörte nun zu Ost-Berlin, das alte BahnhofsgelĂ€nde zu West-Berlin.

Mit dem Bau der Berliner Mauer ab dem 13. August 1961 ließ die DDR auch entlang der Schwedter Straße immer umfangreichere Anlagen zur Grenzsicherung errichten. An der Böschung des Stadions wurden oben wie unten hohe StacheldrahtzĂ€une und dazwischen WachtĂŒrme gebaut, auch Panzersperren wurden errichtet. Der Gleimtunnel wurde verschlossen, die Schwedter Straße zwischen Gleimstraße und Ringbahn versperrt und an der Stadionböschung zugeschĂŒttet. In den 70er Jahren wurden die ZĂ€une durch Mauern ersetzt, von denen Teile noch erhalten sind: oben auf der Stadionböschung stehen auf etwa 150 Meter LĂ€nge noch heute Reste der sogenannten Hinterlandmauer.

Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen Stadion und ehemaligem BahnhofsgelĂ€nde war es fĂŒr die DDR-Grenztruppen relativ schwierig, den Grenzstreifen zu kontrollieren. Deshalb wurde 1988 als Teil eines Gebietsaustauschs zwischen dem Senat von Berlin (West) und der Regierung der DDR die Grenze auf rund einem Kilometer LĂ€nge um 50 m Richtung Westen verschoben.cite-ref-27[27] Die Arbeiten fĂŒr die Verbreiterung der Grenzanlagen auf dem Gebiet des alten Bahnhofs wurden im November 1989 abgeschlossen, nur wenige Tage vor dem Mauerfall am 9. November.cite-ref-28[28]

Geschichte nach 1990

Vom Grenzraum zum Freiraum – Der Mauerpark entsteht

Nach dem Mauerfall wurden die Anlagen zur Grenzsicherung abgerissen und es entstanden mitten in der Stadt große Brachen und FreiflĂ€chen. Zahlreiche GrundstĂŒcke wurden umgehend kapitalisiert, jedoch nicht hier an der Schwedter Straße. Da das GelĂ€nde vor der Mauerzeit unbebaut war, gab es keine RĂŒckgabeansprĂŒche von AlteigentĂŒmern, die zu schnellen Privatisierungen und VerkĂ€ufen gefĂŒhrt hĂ€tten.cite-ref-29[29] FĂŒr die Schaffung einer öffentlichen GrĂŒnflĂ€che bildete sich bald ein starkes bĂŒrgerliches Engagement, das die folgenden Jahre stetig dafĂŒr kĂ€mpfte, dass die FlĂ€che nicht anderweitig verwertet wurde.

1990 grĂŒndete sich im MĂ€rz eine Initiative fĂŒr einen Kinderbauernhof, im April initiierten BĂŒrger eine große Baumpflanzaktion an der Ecke Schwedter Straße / Gleimstraße, und Anwohner nutzten zunehmend die BrachflĂ€chen zwischen den alten WachtĂŒrmen. Ab Juni 1990 wurden die Grenzanlagen abgerissen.cite-ref-sleegers-30-0[30] Gleichzeitig sprach sich die Stadtverordnetenversammlung von Prenzlauer Berg mehrmals fĂŒr den Bau eines Mauerparks mit Kinderbauernhof aus.cite-ref-31[31] Unter dem Eindruck des stetigen Engagements der Anwohner fĂŒr eine GrĂŒnflĂ€che lobte der Berliner Senat Anfang 1992 einen Wettbewerb aus, mit dem die GelĂ€nde des alten Bahnhofs und des Sportparks fĂŒr die Olympiabewerbung 2000 umgestaltet werden sollten. Eine Jury unter Meinhard von Gerkan prĂ€mierte den Hamburger Landschaftsarchitekten Gustav Lange mit dem ersten Preis im Teilbereich Landschaftsplanung.cite-ref-32[32] Sein Entwurf stand unter dem Motto: Vom Grenzraum zum Freiraum.cite-ref-33[33]

Am 23. Juni 1992 beschloss der Berliner Senat, ein gut 7 Hektar großes TeilstĂŒck nach den PlĂ€nen Langes als Park auszubauen. Die neugegrĂŒndete Allianz Umweltstiftung sicherte 1993 einen Baukosten-Zuschuss von 4,5 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt rund 4,2 Millionen Euro) zu, sodass im selben Jahr die Bauarbeiten beginnen konnten.cite-ref-34[34] Am 9. November 1994 wurde der erste Teilabschnitt des Mauerparks eröffnet, er umfasste die Böschung am Stadion und die östliche HĂ€lfte des ehemaligen Gleisfeldes zwischen Bernauer und Gleimstraße.cite-ref-sleegers-30-1[30] Die Arbeiten wurden von der landeseigenen GrĂŒn Berlin GmbH ausgefĂŒhrt.

Vorerst nicht Teil des Parks war ein Großteil des alten BahnhofsgelĂ€ndes, das im damaligen Bezirk Wedding lag. Dieser GelĂ€ndestreifen wurde von Kleingewerben vornehmlich als Baustofflager genutzt. Am 11. Juli 2004 öffnete dort erstmals der Flohmarkt am Mauerpark, der bald weit ĂŒber die Grenzen Berlins Bekanntheit erlangte.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] Der GelĂ€ndestreifen war zunĂ€chst Eigentum des Bundeseisenbahnvermögens und spĂ€ter der bundeseigenen Vivico; 2007 gelangte er in die HĂ€nde der privaten CA Immo Deutschland,cite-ref-37[37] 2012 ging der nördliche Teil an die Groth Gruppe.cite-ref-38[38]

Im Osten an den Mauerpark angrenzend baute das Land Berlin ab 1994 die Max-Schmeling-Halle. Sie kostete 205 Millionen Mark (in heutiger Kaufkraft etwa 179 Millionen Euro). Seit ihrer Eröffnung 1997 ist sie mit fast 12.000 ZuschauerplĂ€tzen eine der grĂ¶ĂŸten Sport- und Veranstaltungshallen Berlins.cite-ref-39[39] Mehr als zwei Drittel der Halle liegen unterirdisch, sodass der Bau, vom Mauerpark aus gesehen, kleiner wirkt, als er ist.cite-ref-40[40]

Parkerweiterung nach Norden 2005

Nördlich des Gleimtunnels konnte nach zehnjĂ€hriger, zĂ€her Planungs- und Bauphase im April 2000 der Kinderbauernhof eröffnen.cite-ref-41[41] Als Jugendfarm Moritzhof steht der Öko-Hof seit 2003 unter freier TrĂ€gerschaft. Kinder und Jugendliche können hier an Haus- und Hofwirtschaft und der Tierpflege partizipieren. Nördlich davon, an der Grenze des Mauerparks, betreibt der AlpinClub Berlin seit 2004 eine 15 m hohe Kletterwand, die sogenannte „Schwedter Nordwand“.cite-ref-42[42] Das TeilstĂŒck, das um die Kletterwand und Moritzhof liegt und etwa 1,7 Hektar umfasst, wurde dem Mauerpark 2005 angeschlossen.cite-ref-43[43] SĂŒdlich des HofgelĂ€ndes wurden ein Senkgarten und eine Wiese angelegt. Das ParkgelĂ€nde am Gleimtunnel ist niveaufrei, allerdings senkt sich die Umgebung zur Kreuzung mit der Gleimstraße um gut 5 Meter ab, so dass hier zwischen Park und Schwedter Straße eine hohe Mauer steht.

Die Überquerung des Gleimtunnels war bis 2008 versperrt. Die Berliner Verwaltung und die Bahn als EigentĂŒmerin waren sich viele Jahre uneins, wer die Verantwortlichkeit fĂŒr das Bauwerk trĂ€gt. Auf Dringen des Vereins Freunde des Mauerparks e. V. ließ die Stadt im April 2008 einen Fußweg anlegen, der beide Teile des Parks verbindet.cite-ref-44[44] Der Gleimtunnel, eine 1904 gebaute 130 m lange UnterfĂŒhrung, steht seit 2001 unter Denkmalschutz.cite-ref-45[45]

Streit um die Parkerweiterung 2004–2015

Obwohl der FlĂ€chennutzungsplan von 1994 die gesamte FlĂ€che des alten Bahnhofs als ParkflĂ€che auswies und eine Bebauung verbot, gestaltete sich die Fertigstellung des Mauerparks Ă€ußerst langwierig. Wirtschaftliche Interessen der privatisierten Deutschen Bahn und spĂ€ter von Privatinvestoren waren im Weg. Es entstand daraus ein jahrelanger politischer Kampf um die ErweiterungsflĂ€chen zwischen dem Land Berlin, der Bezirksverwaltung und basisdemokratischen Akteuren.cite-ref-46[46]

EigentĂŒmerin des GelĂ€ndes war bis 2007 die bundeseigene Vivico, die das Bundeseisenbahnvermögen verwaltete. Da sich der Berliner Senat außerstande sah, das GelĂ€nde zu erwerben, plante er eine Art TauschgeschĂ€ft. Die ErweiterungsflĂ€che solle aufgeteilt werden: Einen Teil bekĂ€me das Land Berlin gratis, ein anderer solle zur Bebauung mit WohnhĂ€usern freigegeben werden. Ein Versuch des Senats, den FlĂ€chennutzungsplan entsprechend zu Ă€ndern, scheiterte 2004 an massiven Einwendungen zahlreicher BĂŒrgerinitiativen. Ein Moderationsverfahren zur Schlichtung wurde 2006 ergebnislos abgebrochen.

2007 erwarb der private Investor CA Immo das ErweiterungsgelĂ€nde. Zahlreiche BĂŒrgerinitiativen demonstrierten fĂŒr die Fertigstellung des Parks nach den ursprĂŒnglichen PlĂ€nen. Im anhaltenden Konflikt schlug der Stadtentwick­lungsausschuss Mitte einen Kompromiss vor: das Baurecht fĂŒr den Investor solle begrenzt werden auf das Areal nördlich des Gleimtunnels sowie das SĂŒdende des Parks.cite-ref-47[47]cite-ref-48[48] Das Bezirksparlament schloss sich diesem Vorschlag an und billigte 2010 den Entwurf fĂŒr einen entsprechenden Bebauungsplan.cite-ref-berlztg2013-gr-n-49-0[49]cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]

Um die BebauungsplĂ€ne zu konkretisieren, rief die landeseigene GrĂŒn Berlin GmbH im September 2010 die BĂŒrgerwerkstatt Mauerpark ins Leben. Die BĂŒrgerwerkstatt hatte zugleich Mitbestimmungsrecht ĂŒber die Parkgestaltung als auch ĂŒber Randbebauung mit WohnhĂ€usern. Nach einem Jahr der Planungen prĂ€sentierte der Investor seine BebauungsplĂ€ne, die die BĂŒrgerwerkstatt als zu massiv und nicht parkvertrĂ€glich ablehnte. Der Kompromiss Baurecht gegen FreiflĂ€che war damit vorerst gescheitert.cite-ref-52[52]

2012 eskalierte der Streit. Der Senat verabschiedete einen sogenannten StĂ€dtebaulichen Vertrag, der zuvor ohne BĂŒrgerbeteiligung zwischen Senat, Bezirk und Investoren ausgehandelt worden war. Damit bekam die Groth Gruppe als Investor ein Recht zur Bebauung mit 708 Wohnungen nördlich des Gleimtunnels, sĂŒdlich bekam die Stadt die gesamte ErweiterungsflĂ€che gegen Zahlung von insgesamt knapp sechs Millionen Euro an Groth und die CA Immo. Als der entsprechende Bebauungsplan 2015 ausgelegt wurde, traf er auf große Ablehnung. Beim Bezirksamt gingen mehrere zehntausend WidersprĂŒche von BĂŒrgern ein. Nachdem BĂŒrgerinitiativen ein BĂŒrgerbegehren gegen die BauplĂ€ne anstrengten, beendete der Senat die BĂŒrgerbeteiligung, indem er das Verfahren von Bezirks- auf Landesebene verlegte. Das Abgeordnetenhaus genehmigte schließlich mit den Stimmen der SPD/CDU-Koalition die BebauungsplĂ€ne.cite-ref-53[53]

Parkerweiterung nach Westen 2013–2020

Im Juli 2013 wurde an der Lortzingstraße eine FlĂ€che zur Zwischennutzung und ein neuer Parkeingang freigegeben. Seitdem verbindet ein Fuß- und Radweg das Gleim- mit dem Brunnenviertel.cite-ref-berlztg2013-gr-n-49-1[49] 2014 begann die konkrete Planung fĂŒr die ErweiterungsflĂ€chen zwischen Gleim- und Bernauer Straße. DafĂŒr traten die BĂŒrgerwerkstatt und der Landschaftsarchitekt Gustav Lange erneut zusammen. FĂŒr die Gestaltung der etwa sieben Hektar großen FlĂ€che hatte der Senat einen Betrag von 3,57 Millionen Euro in den Haushalt 2014 eingestellt.cite-ref-54[54]

Um eine einheitliche Bewirtschaftung der ParkflĂ€che zu ermöglichen, wurde der Mauerpark 2016 komplett dem Ortsteil Prenzlauer Berg zugeschlagen, die Ortsteilgrenzen wurde gen Westen verschoben. Seitdem ist die GrĂŒn Berlin GmbH fĂŒr die Bewirtschaftung des gesamten Parks verantwortlich.cite-ref-pavillon-55-0[55]

Mit den Bauarbeiten wurde die FlĂ€che des Sonntag-Flohmarkts verkleinert und teilasphaltiert. Sie wird seitdem werktags als BewegungsflĂ€che vor allem von Skatern genutzt. Eine neue Allee wurde gepflanzt, eine große Liegewiese angelegt und an die Promenade Linie der ungleichen Dinge eine Reihe großer Podeste gebaut. Nördlich davon entstand ein Rondell sowie ein Nachbarschaftsgarten mit zahlreichen Hochbeeten. Zwei weitere KinderspielplĂ€tze wurden integriert. Im Jahr 2020, gut 25 Jahre nach dem ersten Bauabschnitt, hatte der Mauerpark seine FlĂ€che auf knapp 15 Hektar verdoppelt.cite-ref-56[56]

Bauarbeiten und Sanierungen seit 2017

Von 2017 bis 2020 bauten die Berliner Wasserbetriebe fĂŒr rund 20 Millionen Euro im Rohrvortrieb einen Stauraumkanal unterhalb der Schwedter Straße. Er ist gut 600 m lang, verlĂ€uft acht Meter unter der OberflĂ€che und hat einen Durchmesser von knapp vier Metern. FĂŒr die Bauarbeiten wurden rund zwei Dutzend BĂ€ume gefĂ€llt, darunter eine markante Pyramidenpappel am Parkeingang Bernauer Straße. Die BĂ€ume wurden 2020 durch Neuanpflanzungen ersetzt.cite-ref-57[57]cite-ref-58[58]

Im Dezember 2022 begannen mehrjĂ€hrige Sanierungsarbeiten im Ă€lteren Teil des Mauerparks: 2023 wurden im BirkenwĂ€ldchen die Wege und SpielplĂ€tze erneuert und im Bereich um den Moritzhof begannen die Arbeiten fĂŒr einen grĂ¶ĂŸeren Spielplatz und neue RasenflĂ€chen. Auf der zentralen Liegewiese an der Schwedter Straße wurde im November 2023 die knapp drei Hektar große Grasnarbe entfernt, im Mai 2024 wurde neuer Rollrasen verlegt. Die Sanierungsarbeiten im Gesamtvolumen von 16 Millionen Euro sehen vor, den Mauerpark mit zahlreichen neuen, klimaresilienten Pflanzen sowie einem teilautomatischen BewĂ€sserungssystem auszustatten.cite-ref-59[59]

Soziale Nutzung

Berliner LebensgefĂŒhl

„Die Idee des Mauerparks ist der des Niemandslandes gerade entgegengesetzt, sie besteht im emphatischen Begriff des öffentlichen Raums, [
] in der Begegnung tendenziell sozial Gleicher, aber individuell unterschiedlichster Charaktere. Gewiss eine Utopie, aber zwingend notwendig, gerade in Berlin.“

–

Thomas Flierl

, 2008

Das erklĂ€rte Ziel von Landschaftsarchitekt Gustav Lange war, die laufende Entwicklung „vom Grenzraum zum Freiraum“ weiter zu ermöglichen und nicht zu behindern. Er wollte den Mauerpark zu einer offenen BĂŒhne machen – mit den Menschen im Mittelpunkt, die hier einen Prozess der VerĂ€nderung artikulieren und erleben konnten.cite-ref-61[61] Sein Entwurf gilt unter Architekturhistorikern als Grundlage fĂŒr einen „Ort lebendiger Gegenwart, an dem Geschichte dynamisch und mitunter ikonoklastisch“ gelebt werden kann:

„Lange’s design for the Mauerpark was not a contrived effort at dramatizing the historical scene of the Wall as concertedly as the Memorial Grounds do — the Mauerpark left room for new meanings and interventions.“

–

Daniela Sandler:

Counterpreservation, Architectural Decay in Berlin since 1989

, S. 228–229.

Langes Konzept ging auf: Das Nutzungsprofil des Parks entwickelte sich in den Nachwendejahren organisch und wurde mit steigender Beliebtheit des Parks institutionalisiert und legalisiert. Der „Sonntag im Mauerpark“ galt verbreitet als Beispiel fĂŒr ein „Berliner LebensgefĂŒhl“: einem „aus UnterdrĂŒckung entstandenen Klima der Akzeptanz und zwanglosen Freiheit“:

„There is perhaps no better example of Berlin’s climate of acceptance and freewheeling freedom born from repression than Sundays in Mauerpark.“

–

The New York Times

, 2017

20 Jahre nach seiner Eröffnung hatte sich das Areal „vom ehemaligen Todesstreifen in einen riesigen grĂŒnen Spielplatz fĂŒr ein meist junges Publikum“ gewandelt.cite-ref-64[64] An manchen Sonntagen im Sommer besuchten bis zu 40.000 Menschen den Park.cite-ref-65[65] Neben einer parktypischen Nutzung als Ort fĂŒr Erholung, Spiel und Sport etablierten sich im Mauerpark einige Besonderheiten:

Wall of Fame

Bereits kurz nach dem Mauerfall wurden am Stadion die Reste der Hinterlandmauer bemalt. Sie wuchs bald zu einer stets neu ĂŒbermalten Street Art Galerie heran und ist heute eine international bekannte Wall of Fame. Nach jahrelanger Duldung wurde das Sprayen von Graffiti 2019 legalisiert.cite-ref-66[66] Bereits seit 2001 steht dieser Teil der Mauer unter Denkmalschutz.

Musik, Tanz und Karaoke

Im Mauerpark spielen seit seiner Eröffnung regelmĂ€ĂŸig zahlreiche Straßenmusiker vor allem am Wochenende und entlang der Schwedter Straße. 1996 war der Park erstmals BĂŒhnenstandort der FĂȘte de la Musique.cite-ref-67[67] Auch kommerziell erfolgreiche Musiker traten im Mauerpark auf, darunter Seeed (2001), Beatsteaks (2002) oder Flying Lotus (2017).

Mit dem Fortschritt der portablen Technik gab es seit den 2000er Jahren auch spontane und improvisierte Tanzversammlungen. Seit 2009 veranstaltet Gareth Lennon sonntags im Sommer ein mobiles Karaoke im Amphitheater.cite-ref-68[68]cite-ref-69[69] Sein Bearpit Karaoke mit regelmĂ€ĂŸig mehr als eintausend Teilnehmern verstĂ€rkte den internationalen Ruf des Mauerparks als lebendige und offene BĂŒhne fĂŒr Menschen jeglicher Couleur:

„[
] the real spectacle, [
] is the audience itself.“

–

Vice Magazine

:

Mob Rule At Mauerpark Karaoke

, 2012

Die vornehmlich wochenends und abends gebotene Livemusik trÀgt wesentlich zur AtmosphÀre im Park bei.

Flohmarkt

Im Sommer 2004 eröffnete der Flohmarkt am Mauerpark, damals noch außerhalb der Parkgrenzen auf der ErweiterungsflĂ€che an der Bernauer Straße. Der sonntĂ€gliche Markt wurde bald ĂŒberregional bekannt und bekam 2014 einen neuen Betreiber. Bei den Erweiterungsarbeiten 2020 wurde die FlĂ€che in den Park integriert und teilasphaltiert. 2022 war der Flohmarkt im Mauerpark mit mehr als 400 StĂ€nden eine beliebte Institution fĂŒr Touristen und Berliner gleichermaßen.cite-ref-71[71]

Kinder, Sport und Spiel

Zentral gelegen zwischen großer Wiese und BirkenwĂ€ldchen wurde 1998/99 der sogenannte Regenbogenspielplatz in ehrenamtlicher Arbeit errichtet und 2016 erstmals renoviert.cite-ref-72[72] 2000 wurde die Jugendfarm Moritzhof eröffnet und wenig spĂ€ter nördlich davon ein Spielplatz mit Kletterwand angelegt. 2020 kam auf der Westseite des Parks ein großer weiterer Kinderspielplatz dazu.

Der Mauerpark ist insbesondere im Sommer ein beliebter Ort fĂŒr Boule-Spieler, Basketballer, Jongleure und Freizeitkicker. Vis-Ă -vis dem Amphitheater gibt es einen Basketballplatz, die FlĂ€che des Flohmarkts dient werktags als viel genutzte BewegungsflĂ€che fĂŒr Skateboarder und Rollschuhfahrer.cite-ref-73[73] Oben auf der Böschung stehen seit 1994 fĂŒnf außergewöhnlich große, weitschwingende Schaukeln. Sie werden von einigen kleineren im BirkenwĂ€ldchen, sowie vier neueren, großen Schaukeln in der ErweiterungsflĂ€che ergĂ€nzt. Teile der zentralen Liegewiese sind als GrillflĂ€che ausgewiesen. Mit der Erweiterung des GelĂ€ndes 2020 vergrĂ¶ĂŸerten sich auch die Nutzungsmöglichkeiten im Park:

„War der alte Mauerpark bislang eine vor allem von Touristen genutzte schmale Nord-SĂŒd-Verbindung, bietet die neue FlĂ€che [
] auch Angebote fĂŒr Anwohnerinnen und Anwohner.“

–

Die Tageszeitung, 2020

Radfernwege

Durch den Mauerpark verlaufen zwei Fahrradwege: der Berliner Mauerweg und der Radfernweg Berlin–Usedom. Beide fĂŒhren ĂŒber die Schwedter Straße durch den Park sowie im weiteren Verlauf ĂŒber den Schwedter Steg. Da die Fahrbahn der Schwedter Straße im Parkbereich eine Großsteinpflasterung im Reihenverband hat, gab es mehrfach PlĂ€ne, sie in Teilen zu asphaltieren, um das Radfahren zu erleichtern. Im Mai 2005 wurden etwa eintausend Unterschriften fĂŒr eine Asphaltierung gesammelt. Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow entschied sich trotzdem fĂŒr den Erhalt des Pflasters. Auch bei den Planungen fĂŒr die Renovierung des Bestandsparks 2022 wurde eine Umgestaltung der Fahrbahn diskutiert.cite-ref-75[75]

MĂŒll- und LĂ€rmprobleme

Nach andauernden Problemen mit ĂŒberfĂŒllten MĂŒlleimern ließ die Berliner Stadtverwaltung 2010 große unterirdische Container mit oberirdischem Einwurf installieren, die das MĂŒllproblem aber nur leicht entschĂ€rfen konnten.cite-ref-76[76] Ab 2013 kam eine verbesserte Version zum Einsatz, sie wurden ergĂ€nzt durch große MĂŒllsammelcontainer auf der zum Grillen freigegebenen FlĂ€che der zentralen Liegewiese.cite-ref-77[77]

Ab 2018 stieg die Zahl der Beschwerden von Anwohnern wegen LĂ€rms. Es gab Anzeigen gegen mehrere Musiker. Das Bezirksamt Pankow und der Verein Freunde des Mauerparks initiierten daraufhin einen Runden Tisch, um Anwohner, Stadtverwaltung und Musiker ins GesprĂ€ch zu bringen.cite-ref-78[78] Ergebnis war ein LĂ€rmschutzkonzept, das den Bau sogenannter Acoustic Shells sowie einige Spielregeln fĂŒr Musiker enthielt. Seitdem darf Musik nur noch entlang der Schwedter Straße und in Richtung der Böschung ausgerichtet gespielt werden.cite-ref-79[79]

Im September 2021 wurde im Mauerpark eine vom Bezirksamt geförderte Acoustic Shell aufgestellt, eine LĂ€rmschutzmuschel, die sowohl Anwohner vor LĂ€rm schĂŒtzen, als auch die KlangqualitĂ€t fĂŒr das Publikum erhöhen sollte. Die mobile Installation konnte schnell auf- und abgebaut werden und wurde an verschiedenen Stellen im Mauerpark getestet.

Bei Bodenproben nahe der GraffitiwĂ€nde an der Hinterlandmauer fand ein Forscherteam unter Matthias Rillig 2022 eine extrem hohe Konzentration an Mikroplastik vor. Mit mehreren Hunderttausend Teilchen pro Kilogramm trockenem Boden sei dies die höchste Mikroplastikkonzentration, ĂŒber die jemals in der wissenschaftlichen Literatur berichtet wurde.cite-ref-80[80]

KriminalitÀt

WÀhrend der COVID-19-Pandemie wurde der Park im Sommer 2021 wegen verbotener Menschenansammlungen mehrfach von der Polizei gerÀumt. In den Monaten Juli und August 2021 gab es mehr als 170 PolizeieinsÀtze, vor allem wegen Raubes und Körperverletzungen.cite-ref-81[81]cite-ref-82[82]

In den ersten acht Monaten des Jahres 2023 lag der Mauerpark bei der Zahl der dort verĂŒbten Straftaten nach dem Görlitzer Park auf dem zweiten Platz unter zwölf grĂ¶ĂŸeren Berliner Parks.cite-ref-83[83]cite-ref-84[84]

Der Mauerpark im Film

Im Dokumentarfilm Mauerpark begleitete der Regisseur Dennis Karsten den Park und seine Nutzer ĂŒber das gesamte Jahr 2009 hinweg. Er zeigt ein vielfĂ€ltiges PortrĂ€t des Parks. Der Film beobachtet die unterschiedlichen Dimensionen des Parks. Zu Wort kommen Dr. Motte und Wladimir Kaminer, aber auch Schraubermicha, Joe Hatchiban, Ginger Brown und die Fahrradband 12Volt.cite-ref-85[85]

In der Berliner Tatort-Folge Mauerpark (Regie und Drehbuch: Heiko Schier) aus dem Jahr 2011 liegt der Tatort eines Mordes im Mauerpark.

Zum Tag der Wiedervereinigung 2019 sendete das ZDF zur Primetime die Dokumentation Der Berliner Mauerparkcite-ref-86[86] von Stephanie Paersch und Stephan Merseburger.

Literatur

‱ Thomas Flierl: Mauerpark statt Niemandsland. In: Dorothee Dubrau (Hrsg.): ArchitekturfĂŒhrer Berlin-Mitte, DOM publishers Berlin 2009, Band 2, S. 792–795.
‱ Gustav Lange und Breimann Bruun Simons Landschaftsarchitekten: BĂŒrgerwerkstatt „Mauerpark Fertigstellen“. Entwurfsvorstellung des Nördlichen Teilbereichs. PrĂ€sentationsfolien vom 24. September 2015.cite-ref-87[87]
‱ Heimo Lattner, Judith Laub: Die Mauerpark-AffĂ€re. Berliner Hefte zur Geschichte und Gegenwart der Stadt, Heft Nr. 1, Juni 2016, 96 S., zahlr. Abbildungen, mit Fotografien von Stephanie Kloss u. a.
‱ Katrina Sark: Mauerpark: Berlin’s Gentrifying Scene Park. In: Journal of European Popular Culture 8:1, 2017, S. 39–56.
‱ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: BegrĂŒndung zum Bebauungsplan 3-64. Stand: 5. Oktober 2022, 269 Seiten, (Bebauungsplan der ErweiterungsflĂ€chen). Besonders Abschnitt I.2: Beschreibung des Plangebietes, S. 6–13 sowie Abschnitt II.2.1: Umweltbericht: Bestandsaufnahme, S. 40–69. (parlament-berlin.de, PDF, 3,7 MB).

Weblinks

Commons

: Mauerpark

– Sammlung von Bildern und Videos

‱ Website des Vereins Freunde des Mauerparks e. V.
‱ Website der Parkbewirtschafterin GrĂŒn Berlin GmbH

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Hauptstadtportal des Landes Berlin: SehenswĂŒrdigkeiten in Berlin. Bei: berlin.de
cite-note-22. ↑ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Karte: Berlin Zoom. stadt-berlin.de
cite-note-44. ↑ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Berlin, Karte: ATKISÂź DGM - Digitales GelĂ€ndemodell. stadt-berlin.de
cite-note-55. ↑ Stiftung Berliner Mauer: Fahrzeugsperre Mauerpark. mauerspuren.de.
cite-note-66. ↑ Landesdenkmalamt Berlin: Mauerpark. berlin.de.
cite-note-77. ↑ Standort: Eberswalder- Ecke Schwedter Straße neben einer Pyramidenpappel (Stand: Januar 2024).
cite-note-88. ↑ Detaillierte Karte des Baumbestandes siehe: Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Berlin, Karte: Baumbestand Berlin stadt-berlin.de
cite-note-99. ↑ Gustav Lange und Breimann Bruun Simons Landschaftsarchitekten: BĂŒrgerwerkstatt „Mauerpark Fertigstellen“. Vorstellung der Entwurfsplanung vom Nördlichen Teilbereich. PrĂ€sentationsfolien vom 24. September 2015. mauergarten.net
cite-note-1010. ↑ Gruppe Planwerk im Auftrag der GrĂŒn Berlin Stiftung: Machbarkeitsstudie Mauerpark Bestand – Zwischenbericht, Stand: 8. Mai 2019, S. 21.
cite-note-haeder-wuest-60-1111. ↑ Alexander Haeder, Ulrich WĂŒst: Prenzlauer Berg. Besichtigung einer Legende. Q Edition, 1994, S. 60.
cite-note-1212. ↑ Felix Escher: Berlin und sein Umland. Zur Genese der Berliner Stadtlandschaft bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 47; Publikationen der Sektion fĂŒr Geschichte Berlins, Band 1). Berlin 1985, S. 161.
cite-note-1313. ↑ Schwedter Straße. In: Straßennamenlexikon des LuisenstĂ€dtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
cite-note-1414. ↑ Alexander Haeder, Ulrich WĂŒst: Prenzlauer Berg. Besichtigung einer Legende. Q Edition, 1994, S. 53.
cite-note-1515. ↑ Wilhelm Griebenow: Wilhelm Griebenow's Erlebnisse. Selbstverlag des Verfassers, Berlin 1864; S. 171.
cite-note-1616. ↑ Der Kaiser besuchte 
 In: Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 2. MĂ€rz 1907, S. 4 via: Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache. dwds.de.
cite-note-1717. ↑ Hans Meier-Welcker: Seeckt. Bernard und Graefe Verlag, Frankfurt 1967, S. 519
cite-note-1818. ↑ Petra Gubitzsch: Prenzlauer Berg. Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Stapp, Berlin 1995; S. 93.
cite-note-1919. ↑ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: BegrĂŒndung zum Bebauungsplan 3-64, Stand: 5. Oktober 2022, S, 55. parlament-berlin.de
cite-note-2020. ↑ Architekten- und Ingenieursverein Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Band 1. Nachdruck der Ausgabe von 1896. Ernst, Berlin 1988, S. 275–276.
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